Wettskandal im Tennis

Heute um 22.45 nahmen in der WDR-Sendung “sport inside” einige deutsche Tennisprofis Stellung zum vermeintlichen Wettskandal. Ein anonymer deutscher Tennisprofi mit Grand-Slam Erfahrung, stellte fest, dass er von einem anderen Tennisprofi angesprochen wurde, etwas Reibach zu machen.

tennisball

Kürzlich gab es Aufschreie nachdem der Weltranglistenvierte Nikolai Dawidenko mit einem Wettbetrug in Zusammenhang gebracht wurde. Ich verweise unten auf die beiden Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

In der Sportsendung “sport-inside” beziehen die aktuellen deutschen Spitzenspieler Stellung. Einige zeigen sich erschüttert über eine deutsche Beteiligung, alledings zweifelt keiner an, dass Sportwetten leicht ein Problem im Tennis werden können oder schon sind.

In der FAZ steht ein Zitat von Spitzenspieler Thomas Haas:

“Es sei allerdings schon manchmal so, „dass einen gewisse Ergebnisse erstaunen. Was da zum Beispiel bei den French Open 2005 für Summen auf Mariano Puerta gesetzt wurden, da habe ich manchmal gedacht, das kann doch gar nicht sein. Dann steht der Puerta plötzlich im Finale gegen Nadal und verliert zwei Wochen später glatt gegen Lars Burgsmüller. Da denkst du dir schon deinen Teil. Aber bewiesen hat man bisher noch keinem was, und damit das endlich mal passiert, müssen Namen auf den Tisch.“

Als Tennistrainer und ehemaliger stets erfolgloser Sportwetter habe ich hier einige Denkanstöße. Erstens sind Tennisspieler auch nur Menschen, Menschen die Geld verdienen müssen. Aus der Schar Tausender schaffen es einige zu den großen Turnieren und können sehr gut als Sportprofi leben. Leider müssen diese Leute aber schon viel früher professionell trainieren und das will bezahlt werden.

In Deutschland fangen Verbände einige Kosten ab, aber selbst danach bleiben noch viele Rechnungen unbezahlt und dazu das hohe Risiko, dass es nichts wird mit dem Profidasein. Wenn man sich dann auf kleineren Turnieren durchschlägt, bringen die Insiderinfos wertvolle Wettvorteile.

Was sind Insiderinfos und wo zieht man einen Strich? Vom öminösen Anruf mit den Worten “morgen verliere ich den zweiten Satz” bis zum Beobachten des Umknickens im letzten Training. Da kann man nirgends einen Schlussstrich ziehen.

Noch dazu gibt es emsige Wettprofis, die den ganzen Tag nichts anderes machen, als sich zu informieren und zu recherchieren. Untereinander tauschen diese sich aus und einer spezialisiert sich auf eine Liga und eine Sportart – so entstehen richtig gute Netzwerke. Irgendwann ist der Schritt nicht mehr weit vom PC aufzustehen und die Turniere live vor Ort zu sehen. Dann ist der Kontakt zu den Akteuren der nächste Schritt. Vielleicht auf der Anlage mal ein Treffen oder der Trainer des Spielers fädelt was ein. Auch hier gibt es keinen Schlussstrich zu ziehen.

Die Chancen sind generell besser, dass ein Match auf einem kleinen Turnier manipuliert wird, als eines, welches im Fernsehen übertragen wird. Beim Challengerturnier essen die Spieler unter Umständen mit dem Besucher am gleichen Tisch. Die Spieler sind auf das Geld angewiesen und vielleicht lässt der Spieler seine Profilaufbahn bereits ausklingen. Ob es nun eine Formschwankung ist, oder ob ein Spiel manipulert wurde – wer will es wissen?

Unabhängig davon, ob ein Spiel manipuliert ist oder nicht, wie soll man jemand erwischen. So wie ich es verstanden habe, stellen die Wettanbieter sehr schnell fest, wenn es Auffälligkeiten gegenüber eines normalen Wettverhalten gibt. Dann fällt das Spiel aus dem Angebot. Dieses Vorgehen führt dazu, dass Insider bei ganz heißen Tipps versuchen müssen diese nur im kleinen Kreis preis zu geben, da sonst das sicher geglaubte Geld in Gefahr ist. Die also auf diese Weise ermittelten, “verdächtigen Spiele”, sind wohl nur die Spitze des Eisbergs.

Auffälliges Wettverhalten klingt nach Statistik – das ist nichts Schlechtes und aussagekräftig. Man kann da sehr gut sagen, dass ein Spiel zu 95% manipuliert ist. Das Spiel kann man dann runter nehmen, aber einen Spieler deswegen lebenslang zu sperren, obwohl es sich doch um einen statistischen Fehler handeln könnte ist ein Riesenproblem. Des Weiteren muss ein ehrlicher Spieler davor geschützt werden, dass ihm da jemand ein Bein stellen will, obwohl er mit Wetten nichts am Hut hat.

Dann las ich in einer anderen Überschrift, dass das Damentennis wohl sauber sei. Das ist sehr unwahrscheinlich, da dort genauso gewettet werden kann und die Spielerinnen mit den genau gleichen Problemen kämpfen müssen.

Letztlich fallen mir da einige Parallelen zum Radsport auf: Verbände rasseln wieder und drohen mit lebenslangen Sperren. Genau das bringt auch im Tennis nichts, nur mit einer Zusammenarbeit vieler Insider kann man die Mechanismen der Kontrolle verbessern.

Neben diesen Parallelen stieß ich auf einen Bericht von Stefan Oswalt von der NZZ über Doping im Tennis – auch hier scheint es Ähnlichkeiten zum Radsport zu geben.

Weiterführende Links:

* FAZ: “Spiel, Satz, Wettbetrug
* FAZ: “Tennis-Wettskandal weitet sich aus
* Stellungnahme von Betfair zum Thema “Wettbetrug im Tennis
* NZZ: “Im Tennis hat Doping Tradition

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