Prof. Pudels Anmerkungen zur Ernährungspsychologie

In der Juni-Ausgabe der Zeitschrift “Ernährung – Wissenschaft und Praxis” reist der Ernährungspsychologe Prof. Dr. Pudel durch die Geschichte dieser Disziplin und macht seine “Anmerkungen zur Ernährungspsychologie” (Pudel, 2007, S. 162ff.); schildert die dabei passierten Fehlannahmen und noch ungelöste Fragen.

Die Ernährungspsychologie begann laut Pudel mit dessen eigener Diplomarbeit 1967, als er heraus fand, dass Stress zu einer höheren Nahrungsaufnahme führt, und so zur positiven Energiebilanz beitragen kann.

Vergangenheit

Zu Beginn setzte die Diätetik bei Übergewicht auf Reduktionsdiäten, diese waren erst einmal sehr erfolgreich: das Gewicht der Patienten sank. Leider nahmen viele Patienten nach der Diät wieder zu und das Problem wurde von der Diätetik in die Psychologie abgeschoben. Man suchte nun nach der dickmachenden Persönlichkeitsstruktur, fand sie aber nicht; allerdings fand man dickmachende Verhaltensweisen und erkannte, dass sich Adipöse von Außenreizen leichter beeinflussen lassen. Werbung und anerzogene Verhaltensregeln wirken so bei Adipösen noch stärker.

Folglich versuchte man die Außenreize zu mindern und gab Tipps wie “nur mit Einkaufszettel in den Supermarkt gehen”. Die stark Übergewichtigen blieben leider dick, und man erkannte in den 80ern die Bulimie. Diese Betroffenen hingegen setzten die Verhaltensregeln der Adipösen ohne große Schwierigkeiten um. Der kognitive Ansatz bei Adipositas erweis sich also, als wenig hilfreich.

Man erkannte, dass rigide Verhaltensvorsätze bei Diäten eher zu Essstörungen führen als es flexible tun. Des Weiteren wurde bewiesen, dass es gute und schlechte Futterverwerter gibt.

Heute

Pudel sieht Übergewicht heute eher als Schicksal aus Veranlagung und Umwelt, denn als Schuld. Allerdings kann man gegen dieses Schicksal sehr wohl angehen. Änderungen sind allerdings nur in kleinen Schritten zu erwarten und das Ändern des Verhaltens stellt eine sehr große Herausforderung dar. Die Herausforderung ist so groß, da Essen durch die Bedürfnisse und nicht durch den Nährstoffbedarf gesteuert ist. Bedürfnisse sind aber nur schwer willentlich zu beeinflussen. Mit Vernunft hat das wenig zu tun.

Zukunft

Sein Verhalten in die richtige Richtung steuern – das traut Pudel den Wenigsten zu und weist auf die immer mehr technisierte Welt hin. Mehr PC-Arbeitsplätze und zahlreiche Alltagserleichterungen, dazu der auf Speicherung ausgelegte Körper, lassen Pudel zum Schluss kommen: dies führt den Klienten zur Überforderung und somit zum Scheitern.
Bei den Schulen sieht Pudel Potenzial, dort soll der Grundstein gelegt werden, die Kinder sollen gesundes Verhalten erleben und nicht nur erlernen. Geschmacksmuster und Verhaltensweisen sollen sich so einprägen und somit soll es später gar nicht zum Problem des starken Übergewichts kommen. Auch der Schulsport soll mehr Anreize schaffen, damit die Kinder Gefallen an Bewegung im Alltag und sportliche Hobbies finden.

An den Fragen, warum einige mehr essen, als sie benötigen, und warum sie ihr verlorenes Gewicht nicht halten können, beißt sich die Wissenschaft weiterhin die Zähne aus.

Eigene Meinung

Ich fand den Artikel sehr interessant.

Das mit der Bewegung sehe ich auch so, da macht der Computer oder die Playstation einem wirklich einen Strich durch die Rechnung. Früher war man noch im Fussballverein, heute haben viele Kinder wohl mehr Lust auf technisch unterstützte Spielereien, mit PC oder Playstation.

Ich kenne das Menschenbild von Prof. Dr. Pudel nicht, aber ich erinnerte mich beim Lesen des Artikels an die Ansichten des Hirnforschers Prof. Roth, inwiewit der Mensch selbstgesteuert ist. Nach dessen Ansicht strebt unser Unbewusstes danach, seine Grundmotive zu befriedigen und belegt gemachte Erfahrungen mit Lust, Unlust und Schmerz. Unser Bewusstes strebt danach Lust zu befriedigen und Unlust und Schmerz zu meiden. So setzt das Unbewusste seine Ansprüche durch.

Ich denke nicht, dass die Leute überfordert sind ihr Verhalten langfristig zu ändern. Sicher wird der Weg steinig und es gibt bestimmt Eigentore, aber mit der richtigen Organisation, sollten die Klienten zahlreiche Wege ausprobieren können und so wird bestimmt einer darunter sein, der genügend Bedürfnisse befriedigt, so ausreichend motiviert und so das neue Verhalten aufrecht erhalten werden kann – Rückschritte inbegriffen, versteht sich.

Wenn man dann mal einen lustvollen Weg für den Klienten hat, ich denke ja, dass der Weg als Gesamtes, lustvoller als der Alltag des Klienten ist, dann kann man noch mit Belohnungsstrategien untersützen – das sollte reichen, dass dabei einige Kilos purzeln und auch weg bleiben – hoffe ich.

Weiterführende Links:

* Zeitschrift Ernährung – Wissenschaft und Praxis
* Wikipedia – Volker Pudel
* Wikipedia – Gerhard Roth
* Podcast von Gerhard Roth “Mehr Motivation” (SWR 2)
* Zusammenschrift des Inhalts des Podcasts im Blogatelier Teil 1 ; Teil 2

Quellen:

1) V. Pudel “Ernährung – Wissenschaft und Praxis”, Neu-Isenburg 2007, Heft 4, S. 162ff.

3 Kommentare »»

  1. Ernährungsberatung in Bielefeld | fitfuttern#

    Pingback – 19. Januar 2008 – 19:00

    [...] Im Bereich Ernährung gibt es viele Angebote, welche einen schnellen Erfolg versprechen. Die Wissenschaft beißt sich allerdings die Zähne daran aus, wie man seine Ernährung umstellen kann [...]

  2. Gerhild Berger – #

    Comment – 15. Februar 2009 – 16:29

    Der Artikerl von Prof. ist ja sehr interessant aber eben immer wieder mal eine andere Variante genau wie im Freudenhaiu, der nächste Herr die gleiche Dame. Ich habe 1 Jahr lang die Ernährungsumstellung von Herrn Montignac peinlichst genau durchgehalten, dabei verlor ich kein Gramm sondern nahm 4 kg zu. Dann habe ich mich der Pfundsdiät von Herrn Prof. V. Pudel angeschlossen, viel Sport, laufen, auf dem Crosstrainer jeden Tag und auch da gabs wieder 3 kg mehr auf die Rippen. Nun hatte ich aber den Stein der Weisen gefunden, abnehmen im Schlaf nach dem Ernährungsspezialisten Dr. Pape. Na da nahm ich gleich 5 kg. Zu. Jetzt sitze ich auf über 12 kg Übergewicht und hab sie mir nicht mal mit zahlreichen Kalorien angefuttert sondern diszipliniert 1200 kal am Tag zu mir genommen. Dazu habe ich mir extra das Büchlein „Kalorien mundgerecht“ gekauft um so genau Buch zu führen. Vor 4 Jahren war ich bei einer Ernährungsberaterin und diese errechnete, dass ich 1700 kal. zu mir nehmen dürfe und wenn ich abnehmen will, dann halt 500 kal. weniger. Das habe ich bis heute strikt eingehalten denn ich meine immer, von nichts kommt nichts – was aber vom Endokrinologen verneint wurde. Jetzt sind es die Gene, die Veranlagung, ich wäre einfach zum Dicksein geboren. Dabei habe ich bis zu den Wechseljahren nur gerade mal 47 kg gewogen und erst mit der Einnahme der Hormontabletten begann das Debakel. Diese Tabletten habe ich aber vor 5 Jahren von einem Tag zum Anderen abgesetzt und dennoch ich nehme fast täglich zu und weiss nicht warum. Das Hirn müsste ich mir noch einmal per CT untersuche lassen, aber kein Hausarzt würde einen deswegen so eine Behandlung verschreiben. Nun kommt von Herrn Prof. Pudel wieder eine neue Masche. Ich muss dazu sagen, dass ich mich in den Wechseljahren befinde und daher anscheinend der ganze Stoffwechsel eine Veränderung erfährt. Deshalb ist es für mich eh illusorisch, dass Ernährungsumstellungen auf die 0 – 8 – 15 – Schiene propagiert werden denn eine noch gebärfähige Frau wird sicher ganz andere Stoffwechselbedürfnisse haben als eine Frau in den Wechseljahren. Für uns die wir jenseits der 50 sind sollte einmal geforscht und ein guter Plan zur gezielten Ernährung, wo auch wir in unserem Alter langsam zwar aber stetig abnehmen, gefunden werden. Man stelle sich vor, ich esse kaum etwas Süsses denn das mag ich nicht, lieber ein Gewürzkürkli und renne jeden Tag 1 Stunde, strample mich jeden Tag am Crosstrainer 20 Min. ab, habe meinen Haushalt und esse 1200 Kalorien, nehme aber zu statt ab. Ich war schon bei allen Ärzten bis hin zum Spezialisten für Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen aber alle sagten mir nur, ich wäre kerngesund. Blutzucker zu tief, Cholesterin normal, Hormonwerte, Schildrüse, alle Werte auch von den Innereien optimal. Ja, nun sitze ich hier mit meinem Übergewicht und könnte mich jedes Mal richtig aufregen wenn von Bewegung, weniger Fett, weniger Kohlenhydraten und Süssem geredet wird, wenn man das wesentlich verringert, würde man abnehmen. Nix da, weniger als ich jetzt esse geht nicht aber ich versuche alle Vitamine zu mir zu nehmen also viel Gemüse, Fleisch und Fisch, wenig Fett und fast nichts Süsses. Vor 3 Jahren habe ich das letzte Stück Kuchen gegessen. Die ganzen Bücher sind nur Geldschneiderei weil ja eh jeder Mensch anders ist und anders reagiert, Wie sieht es mit all den Lebensmittelzusatzstoffen aus? Wie verhalten diese sich mit unserem Stoffwechsel? Was stellen die Hormone und Antibiotika, die man unseren Schlachttieren spritzt mit unserem Stoffwechsel an? Das wurde bisher eigenartigerweise nicht untersucht denn die Lobby der Lebensmittelzusatzstoffhersteller ist gross, da traut sich nicht mal das Gesundheitsministerium zum Auftrag eindeutiger Studien. Die Tatsache, dass trotz all der Bücher, der Sendungen im TV und aller Ermahnungen die Menschen immer fetter werden sollte doch eine ganz grosse Studie in bewegung bringen denn wenn wirklich all die Herumschreier wirklich unsere Gesundheit wollen – oder einfach nur ihr gesundes Konto – würden sie sich auch mehr dafür einsetzen, dass wesentlich umfangreicher geforscht würde denn Fettsucht und die damit verbundenen Gesundheitsprobleme sind die Hauptursache vieler vorzeitig in die Grube steigender – wenn das kein Grund und Argument ist. Also ich weis heute, dass all diese Bücher und Empfehlungen unnütz sind aber eben, viele Menschen hoffen auf das neue Buch von Herrn Pudel – die Pfundsdiät hat sich ausgepfundet denn man hört und sieht beim WDR nichts mehr davon – und zahlen für den baren Unsinn seiner Theorien. Ich werde mir dieses Buch sicher nicht kaufen denn noch vor 5 Jahren hab ich sie alle teuer bezahlt, sie stehen noch in meinem Bücherschrank und ich verleihe sie denen, die abnehmen möchten und nach neuen Alternativen suchen. Vielleicht passt ja wirklich einmal eine Ernährungsumstellung meiner Bücher auf 1 Person und sie nimmt damit dauerhaft ab. Bisher kenne ich leider niemanden, der das schaffte.
    Mit herzlichem Gruss Gerhild Berger

  3. Jochen#

    Comment – 15. Februar 2009 – 18:26

    Hallo Frau Berger,

    mensch Sie machen einen sehr aktiven Eindruck.

    Ich weiss nicht an was es bei Ihnen liegt, am Faulsein sicher nicht. Vielleicht machen Sie ja irgendwo anders einen großen Fehler – vielleicht gönnen Sie sich nicht ausreichende Erholungspausen, damit ihre Muskeln wachsen und sich so ihr Grundumsatz erhöht?

    Wenn Sie schon soviel gelesen haben, rutschen Sie doch kurz über meine Dokument Sporternährung
    http://www.jochen-bauer.net/downloads.php#sporternaehrung

    und schauen drüber, ob Sie da einen Fehler Ihrerseits sehen. Grundsätzlich müssen Sie schauen, Ihren eigenen Weg zu finden, die meisten Diäten versuchen nur das Wissen so zu verdichten, dass es für den Laien händelbar ist – dabei werden aber auch Dinge, die okay sind, einfach verboten, damit das Konzept nicht zu umfassend wird.

    Ändern Sie die Herangehensweise: weg von “ein Buch mit der fertigen Diät befolgen”! Lesen Sie die Stoffwechselgrundlagen und bauen Sie ihre eigene Diät. Mein Dokument ist da ein guter Anfang, aber vergessen Sie das Thema Verhaltensänderung nicht. Es gibt schon Scharlatane im Ernährungsberatungsbereich, aber die meisten wollen Ihnen wohl einfach nur helfen.

    Die Ernährungsberater stehen ebenfalls etwas dumm da: man verdient sehr wenig und die Krankenkassen machen kostengünstige Unterstützungen für Klienten, die so mickrig sind, dass man in viel zu wenig Zeit viel zu viel vermitteln soll. Aber wie ich schon sagte, es gibt bestimmt auch viele Marketinghasen, die vor allem Produkte auf den Markt bringen, die dem Wunsch entsprechen “Schnell ohne Aufwand schlank werden” – und dann wohl hohe Verkaufszahlen erzielen und der Klient ein Eigentor schiesst.

    Wenn Sie Fragen zum Dokument haben, melden Sie sich.

    Gruß
    Jochen

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