Trainingsmodul Koordination

Das Trainingsmodul Koordination dient der Verbesserung der koordinativen Fähigkeiten eines Tennisspielers. Aktuell ist die Version 1.0 (Stand: 20.11.2007). Den Übungsaufbau der einzelnen Stunden finden Sie in eigenen Beiträgen, die unten verlinkt sind – dort werden fortlaufend neue Übungen eingebaut – ich freue mich auf ihre Anregung!

Koordinationstraining-Logo

Einleitung

Koordination ist ein leistungslimitierender Faktor im Tennis und somit fester und wichtiger Bestandteil eines kompletten Tennisspielers. Die Koordination ist mit der Kondition Bestandteil der Motorik und Teil des Konditionstrainings. Das Konditionstraining inklusive des Koordinationstrainings bildet neben den anderen Bereichen Technik- und Taktiktraining, den Kernbaustein des Tennistrainings. Diese drei Bereiche müssen in der Ausbildung eines Schülers sinnvoll untergebracht werden und zusammenwirken, damit am Ende ein leistungsstarker Spieler steht.

Komponenten eines Tennisspielers

Abbildung 1: Komponenten eines Tennisspielers
(Grafik nach Wohlmann, 0. J., S.10)

1 Koordination

1.1 Definition

“Physiologisch versteht man unter Koordination das Zusammenwirken von zentralen Nervensystem und Skelettmuskulatur eines gezielten Bewegunsablaufes” (Bornemann, 1996, S. 117).

“Der Begriff “koordinative Fähigkeiten” kann wissenschaftlich noch nicht eindeutig definiert und abgegrenzt werden, was durch die häufig verwendeten Synonymbegriffe wie Geschicklichkeit, motorische Gewandtheit und Koordinationsfähigkeit ebenso belegt wird wie durch die Tatsache, daß in der sportwissenschaftlichen Literatur zwischen zwei und achtzehn koordinative Fähigkeiten zu finden sind” (Schneider, 1994, S.7).

1.2 Bereiche der Koordination

Im Tennis unterscheidet man sieben Bereiche, wobei fünf davon im Training verstärkt berücksichtigt sollten. Der sechste Bereich, die Kopplungsfähigkeit ist ebenfalls sehr wichtig, wird aber bereits beim Training der anderen Bereiche geschult. Der siebte Bereich, die Umstellungsfähigkeit, ist für das Tennis nicht so wichtig, wie die anderen.

1.2.1 Orientierungsfähigkeit

Unter Orientierungsfähigkeit versteht man die Fähigkeit verschiedene Positionen des Tennisballs, des Gegners und sich selbst im Raum zu bestimmen. Ebenso kann man die verfügbare Zeit einschätzen, die einem selbst oder dem Gegner in der jeweiligen Situation bleibt. Nachdem sowohl die Zeit als auch die Position eingeschätzt wurden, gehört zur Orientierungsfähigkeit auch die Handlung, also das erfolgreiche Anpassen der Situation, beispielsweise das Einnehmen einer aussichtsreichen Netzposition. Da im Tennis Gegner, Ball und man selbst ständig in Bewegung sind, spielt die Orientierungsfähigkeit eine große Rolle.

1.2.2 Gleichgewichtsfähigkeit

Gleichgewichtsfähigkeit bedeutet, dass man den Körper im Gleichgewichtszustand halten kann, oder falls man diesen Zustand verloren hat, diesen schnell wieder herstellt. Es gibt das statische Gleichgewicht, wie es beim Aufschlag vorkommt und es gibt auch das dynamische Gleichgewicht, welches man beim Richtungswechsel braucht. Bei jedem Tennisschlag ist das Gleichgewicht eine Grundvoraussetzung und durch einen tiefen Körperschwerpunkt und eine gute Beinarbeit wird das Gleichgewicht positiv beeinflusst. Bei Richtungswechseln, tiefen Volleys und Angriffsbällen aus dem Lauf, ist das Gleichgewicht besonders gefragt.

1.2.3 Rhythmisierungsfähigkeit

Spieler mit einer ausgezeichneten Rhythmisierungsfähigkeit übernehmen einen vorgegebenen Rhythmus problemlos und passen diesen ihren Wünschen entsprechend an. Beim Tennis haben die Bälle unterschiedliche Längen, Tempi und Drallarten, auf die der Spieler reagieren muss. Falls er selbst variabel sein Spiel gestalten will, muss er diese Rhythmen sogar, seinen Wünschen entsprechend, anpassen.

1.2.4 Reaktionsfähigkeit

Reaktionsfähigkeit bedeutet, dass der Spieler auf ein Signal oder eine Körperbewegung eine Reaktion plant und einleitet. Die so getroffene Entscheidung muss intuitiv ausgeführt werden, damit dieses Verhalten im Spiel erfolgsversprechend ist. Signale können gesehen, gehört oder gespürt werden. Alarmierende Körperbewegungen sind bespielsweise der Ballwurf des gegnerischen Aufschlägers, welcher einen Hinweis liefert, ob man sich auf einen Vor- oder Rückhandreturn einzustellen hat. Ein anderes Beispiel ist die Reakion auf einen erwarteten Passierball gleich nach dem Splitstep.

1.2.5 Differenzierungsfähigkeit

Unter Differenzierungsfähigkeit versteht man die gelungene Anpassung auf die Vielzahl der Umstände und dass man seine Bewegung entsprechend steuert. Einmal beobachte ich also meine Umwelt und dann steuere ich meine Bewegung. Gelingt es mir meine ganzen Teilkörperbewegungen erfolgreich zu steuern, gelange ich zu einem ökonomischerem und genauerem Spiel. Die Differenzierungsfähigkeit wird umgangssprachlich mit dem “Ballgefühl” gleichgesetzt. Diese Fähigkeit steht in sehr engem Zusammenhang mit der Gleichgewichts- und Kopplungsfähigkeit.

1.2.6 Kopplungsfähigkeit

Ein Spieler mit einer guten Kopplungsfähigkeit kann seine Teilkörperbewegungen erfolgreich verknüpfen. Gerade wenn eine Situation das Zusammenspiel vieler einzeln bereits trainierter Bewegungen erfordert, ist diese Fähigkeit von Nöten. Beim Tennis ist die Kopplungsfähigkeit sehr wichtig, da in jedem Match eine Vielzahl an neuen Situationen auftritt.

1.2.7 Umstellungsfähigkeit

Umstellungsfähigkeit heißt, eine bereits getroffene Entscheidung zu ändern und anzupassen. Beim Tennis ist dies bei einem Netzroller mit hohem Absprung der Fall: man hat noch etwas Zeit “zum Denken”. Beim Turniertennis kommt dies öfter vor, da das Spiel immer genauer wird, und dadurch mehr Bälle von der Linie rutschen, oder auf dem beackertern Aschenboden nahe der Grundlinie verspringen.

2 Koordinationstraining

2.1 Warum?

Im Tennis und bei vielen anderen Sportarten ist die Koordination ein leistungslimitierender Faktor, das heißt dass ein Mangel später nur bedingt ausgeglichen werden kann. Koordinativ gut ausgestattete Kinder verletzen sich weniger, lernen schneller und steuern ihre Bewegungen besser. Besonders in Spielsportarten muss auf neue Situationen im Wettkampf passend reagiert werden – dies ist nur durch gute koordinative Fähigkeiten möglich.

2.2 Wann?

Eine Verbesserung der Koordination ist immer möglich, allerdings ist im Alter von sechs bis zwölf Jahren ein sehr sinnvoller Zeitraum, intensiv an den allgemeinen koordinativen Fähigkeiten zu arbeiten. Es gibt ein Modell der sensiblen Phasen, woraus man eine Tendenz für das Training ableiten kann. Es handelt sich hier um ein Modell – das heißt nehmen Sie dies nicht zu dogmatisch, lassen Sie sich aber vielleicht inspirieren.

Sensible Phasen nach Asmus

Abbildung 2: Modell der Sensiblen Phasen
(Grafik nach Asmus 1991, o. S., zit. n. Dober, o. J.)
[Klick auf die Grafik führt zur Vollansicht]

Wie man sieht, darf man keine Trainingsform, egal ob Taktik-, Technik- oder Koordinationstraining bei der Planung isoliert betrachten, sondern ein sinniges Gesamtkonzept muss angestrebt werden (siehe Abbildung 1 “Komponenten eines Tennisspielers”)

Auch im Erwachsenenbereich sollten die koordinativen Anforderungen im Training nicht zu kurz kommen: das Koordinationstraining kann in einen Konditionsblock integriert werden oder im Taktiktraining achtet der Trainer bei der Auswahl der matchnahen Situation, auf einen ausreichend hohen koordinativen Anspruch der Übung.

Motorikplan

Abbildung 3: Motorikplan
(Grafik nach Wohlmann, o. J., S. 66)

Legende der Grafik “Motorikplan”:
AA = Aerobe Ausdauer
AnA= Anaerobe Ausdauer
KA= Kraftausdauer
MK= Maximalkraft
SK=Schnellkraft
AS=Aktionsschnelligkeit
RS=Reaktionsschnelligkeit
KZ=Koordination unter Zeitdruck
KP=Koordination bei Präzisionsleistungen

2.3 Welchen Umfang?

Beim Entwerfen des Moduls “Koordinationstraining” achtete ich darauf, dass das Konzept aus vielen Bausteinen besteht und auf die Gegebenheiten der einzelnen Teilnehmer anpassbar ist. Neben der inhaltlichen Ausprägung sollte das Konzept auch zeitlich flexibel sein.

Aus diesen Überlegungen und dem sinnvollen Zusammenspiel aus Belastung und Pause ergab sich folgender Aufbau: die erste und die letzte Stunde bestehen aus einem Test. Die erste Stunde dient zur Diagnostik, die letzte zur Feststellung der Leistungszuwächse, dazu wird das Modul mit einigen Kontrollfragen evaluiert und so soll eine stetige Verbesserung des Trainings erfolgen.

Nach der ersten Stunde erfolgt die Übungsauswahl für die Folgestunden. In jeweils einer Stunde wird die Gleichgewichts-, die Differenzierungs- und die Rhythmisierungsfähigkeit geschult. In zwei Stunden erfolgen Übungen zur Orientierungs- und Reationsfähigkeit. Die Kopplungs- und Umstellungsfähigkeit wird in einer einzigen Stunde trainiert.

Zwischen den einzelnen Stunden sollte rund eine Woche vergehen, so können die neu erlernten Fähigkeiten selbständig weiter trainiert und Regenerationszeiten berücksichtigt werden.

2.4 Wie trainieren?

Beim Traininig ist immer auf die Technik und die Präzision der Ausführung zu achten. Gelingt die Technik, kann die Geschwindigkeit bei gleichbleibender Präzision erhöht werden. Gelingt dies ebenso, kann man zwei Bewegungen zu einer vereinen.

Bei diesen geistig sehr anspruchsvollen Übungen darf das Kind nicht müde werden, ansonsten sollte man das Training lieber abbrechen. Des Weiteren müssen ausreichend Wiederholungen für den trainierten Bereich vorhanden sein. Im Techniktraining strebt man mindestens 100 Wiederholungen für eine neu trainierte Technik pro Übungseinheit an, damit der Körper das neu erlernte Verhalten speichert – diese Zahl versuche ich pro Übungseinheit je Bereich ebenfalls zu erreichen.

Darüber hinaus sollten im Koordinationstraining sowohl das allgemeine Koordinationstraining und das tennisspezifische Koordinationstraining berücksichtigt werden. In jungen Jahren spielt vor allem das allgemeine Koordinationstraining eine Rolle, später verstärkt das tennisspezifische.

3 Modulaufbau

3.1 Ziele

Das von mir erstelle Trainingsmodul soll den Kindern ermöglichen ihr Bewusstsein für die Trainingssteuerung zu schärfen. Sie sollen die Bereiche der Koordination verstehen, diese erkennen und unterscheiden können.

Die Kinder sollen auf der Grundlage dieses Skripts mit den genannten Übungen die Bereiche selbst trainieren können – deshalb versuchte ich, genügend Übungen anzubieten, welche nur wenige methodische Hilfen benötigen und alleine oder zu zweit durchführbar sind. Damit erhoffe ich mir, dass die ein oder andere Übung Einzug beim gemeinsamen Einspielen erhält und dass die Einzelübungen in einer einsamen Stunde vor dem Fernseher durchgeführt werden. Die Übungsformen sollten leicht anpassbar sein. Bei vielen Übungen, wie dem Jonglieren ist eine Steigerung unbegrenzt möglich.

3.2 Stundenaufbau

3.2.1 Vorbemerkung

Wie bei jeder gezielten Trainingsform ist auf die Merkmale dieser zu achten, sonst trainiert man vielleicht ganz andere Bereiche. Die Übungen sind lediglich ein Vorschlag, Sie müssen nach dem Test in der ersten Stunde geeignete Übungen für jeden Bereich zusammenstellen oder die vorhandenen Übungen je nach Alter und Leistungsstand anpassen.

Anwendungsübungen finden auf dem Tennisplatz statt und haben einen sofort erkennbaren Bezug zum Tennissport, die Isolationsübungen können auch an anderen Orten, wie etwa zu Hause, durchgeführt werden. Bei den Gruppenübungen werden mehrere Spieler benötigt.

In der Beschreibung der Stunden kommen folgende Abkürzungen vor:
A, B, C, … = Schüler
T = Trainer
Of = Orientierungsfähigkeit
Gf = Gleichgewichtsfähigkeit
Rhf = Rhythmisierungsfähigkeit
Ref = Reaktionsfähigkeit
Df = Differenzierungsfähigkeit
Kf = Kopplungsfähigkeit
Uf = Umstellungsfähigkeit

Weiterführende Links:
* Stunde Eins: “Test zur Analyse des Ist-Zustands
* Stunde Zwei: “Rhythmisierungsfähigkeit
* Stunde Drei: “Orientierungs- und Reaktionsfähigkeit 1/2
* Stunde Vier: “Orientierungs- und Reaktionsfähigkeit 2/2
* Stunde Fünf: “Differenzierungsfähigkeit
* Stunde Sechs: “Gleichgewichtsfähigkeit
* Stunde Sieben: “Kopplungs- und Umstellungsfähigkeit
* Stunde Acht: “Test zur Feststellung der Leistungssteigerung

Quellen:

* Abbildung 1: “Komponenten eines Tennisspielers” Grafik nach R. Wohlmann “Materialien zur Ausbildung B-Trainer-Lehrgang 1″, Bayerischer Tennis Verband, Lehrwesen, Oberhaching o. J.
* R. Bornemann et al. “Tennis-Lehrplan, Band 2, Unterricht und Training”, München, 1996, 7. Auflage
* H. Schneider “Lehren und Lernen im Tennis”, Hamburg 1994, 2. Auflage
* Abbildung 2: “Modell der Sensiblen Phasen” Grafik nach Asmus, o. O. 1991, zitiert nach R. Dober “Sensible Phasen der Motorik”, o. J., www.sportunterricht.de/lksport/sensiphas1.html (Stand: 28.11.2007)
* Abbildung 3: “Motorikplan” Grafik nach R. Wohlmann “Materialien zur Ausbildung B-Trainer-Lehrgang 1″, Bayerischer Tennis Verband, Lehrwesen, Oberhaching o. J.

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