Archiv von 'November, 2007'

Blutzucker, Insulin und Leistung

Dieser Beitrag ist Teil der Serie Sporternährung.

Nach der Verdauuung sind die Nährstoffe im Blut und wir haben bereits gesehen, was die Leber mit den Nährstoffen anstellt. Jetzt beschäftigen wir uns mit dem Blutzucker – dieser ist wichtig und Sie verstehen nach dem Beitrag was es mit dem Glykämischen Index, dem Insulin und Leistungsschwankungen auf sich hat.

Bild zur Artikelserie Sporternährung

Blutzucker – Glucose im Blut

Blutzucker, das ist die Zuckermenge im Blut. Mit Zucker sind viele Traubenzuckerteilchen namens Glucose gemeint. Glucose ist sozusagen die Energiewährung des Stoffwechsels. Verkettet man viele dieser Bausteine erhält man sowohl das Glykogen, also die Körperkohlenhydrate, als auch die Nahrungskohlenhydrate. Solche langen Nahrungskohlenhydratketten sind beispielweise im Vollkornbrot als Polysaccharide und in der Kartoffel als Stärke. Polysaccharide heißt übersetzt einfach “Vielfachzucker”. Neben der Glucose gibt es auch noch andere Zuckerarten, wie den Fruchtzucker.

Wir merken uns einfach, dass die meisten Nahrungskohlenhydrate, außer dem Fruchtzucker, aus mehr oder weniger langen Glucoseketten bestehen und nach der Verdauung irgendwann als Glucoseteilchen im Blut schwimmen!

Glucose als Insulinklingel

Unser Körper reagiert auf die Glucosemenge im Blut und schickt Insulinteilchen los. Insulin ist ein Enzym, also ein körpereigener Hilfsstoff. Das Insulin schnappt sich die Glucoseteilchen aus dem Blut und schafft sie zur Leber oder zu den Muskelzellen. Ist unser Blutzuckerwert in einem gewissen Bereich, fühlen wir uns gut und sind leistungsfähig; ist der Wert zu niedrig, bekommen wir Hunger, fühlen uns schlapp und sind müde.

Ich hoffe, das folgende  Sprachbild wird die Vorgänge im Körper für Sie verständlicher werden lassen. Insulin wird in der Bauchspeicheldrüse hergestellt, sagen wir, die Bauchspeicheldrüse ist unsere Taxizentrale, das Insulinteilchen ist ein Taxi, das Glucoseteilchen im Blut ist ein Tourist, unsere Leber und Muskelzellen sind die Hotels im Lande “Stoffwechsel”. Eigentlich funktioniert das System sehr gut. Fortlaufend kommen aus dem Darm, unserem Bahnhof, die Touristen in die Blutbahn. Die Taxizentrale merkt dies und schickt einen Schwung Taxis los, holt die Touristen ab und bringt sie in die Hotels.

Insulinantwort bei Traubenzuckergenuss

Traubenzucker besteht aus vielen einzelnen Glucosebausteinen, somit muss der Körper keine Glucoseketten aufspalten und die Glucose landet ruckzuck im Blut. Es sind also plötzlich viel mehr Glucosemoleküle im Blut, als vorher da waren – sozusagen ein außergwöhnlicher Schwung an Touristen in kurzer Zeit. Unser Körper merkt dies, produziert vorsorglich sehr viel Insulin und schickt dies ins Blut, um den wertvollen Blutzucker abzuholen – der Körper denkt: es könnte ja sein, dass der Touristenschwung für einige Zeit in dieser Weise andauert.

Nun essen wir aber nicht so viel Traubenzucker und unser Körper hat sich somit etwas verzettelt: es sind viel zu viele Taxis unterwegs. Unser Blutzuckerwert sinkt also schon kurze Zeit nachdem wir gegessen haben unter unseren Normalwert und wir bekommen wieder Hunger oder ein Unterzuckergefühl.

Insulinantwort bei Gemüsegenuss

Bei langen Nahrungskohlenhydratketten dauert es länger, bis diese unser Körper aufgespalten hat. Des Weitern ist wichtig, was zeitgleich noch im Magen liegt und in den Darm durchgelassen wird (siehe Abbildung 1 “Blutzucker und Ballaststoffe”) – denn die Aufnahme der Nährstoffe findet nun mal im Darm und nicht im Magen statt.

Nun gut beim Gemüse werden wahrscheinlich deutlich weniger Touristen auf einmal am Bahnhof stehen als es beim Traubenzucker der Fall war. Die Taxizentrale merkt, dass der plötzliche Anstieg leicht zu händeln ist und schickt eine angemessene Menge Taxis los. Der Blutzuckerwert wird also nicht schlagartig nach unten katapultiert und das Hungergefühl auf Grund eines niedrigen Blutzuckers bleibt erstmal aus.

Zusammenfasssung

Dem Ausschlag des Blutzuckers nach oben, wie er nach dem Essen von Traubenzucker der Fall ist, folgt eine intensive Insulinantwort, die den Blutzucker vielleicht sogar wieder in den Keller katapultiert und so zu einem Unterzucker führt. Haben Sie den Verdacht, dass ihr Blutzucker unten ist und Sie sich müde fühlen, dann können Sie mit einer Portion Traubenzucker, 1 oder 2 Scheiben Dextro Energen, den Wert leicht nach oben anstuppsen. Essen Sie allerdings gleich sehr viel Traubenzucker, können Sie mit einem kurzen Hoch rechnen, aber nach einer halben Stunde kann der Wert schon wieder unter dem Ausgangswert sein.

Glykämischer Index

Ein Begriff, der im Zusammenhang mit der Blutzuckerantwort immer wieder auftaucht ist der Glykämische Index, kurz GI. In Abbildung 2 “Blutzucker und GI” sehen Sie, wie nach dem Gemüseverzehr (niedriger GI), der Blutzucker erst ansteigt und sich der folgende Insulinbuckel nahe an die Blutuckerkurve anlehnt. Beim Verzehr eines Lebensmittels mit hohem GI schlägt der Buckel zu hoch aus und so katapultiert das Inulin den Blutzucker in die Heißhungerphase.

Bedenken Sie aber, dass der GI sich auf eine gewisse Menge eines Lebensmittels bezieht -  Sie werden selten in Mahlzeiten nur ein einziges Lebensmittel essen und daher gilt der GI nur als Richtwert für die eigene sinnvolle Ernährung.

Abbildungen: 

Abbildung 1: “Blutzucker und Ballaststoffe”

Blutzucker und Ballaststoffe

(die Blutzuckerantwort, einmal nach einer ballaststoffarmen und einmal nach einer ballaststoffreichen Mahlzeit komplexe Kohlenhydrate;
Grafik nach K. Geiss, M.  Hamm: “Handbuch der Sportlerernährung”, Hamburg 2001, 5. Auflage, S.91)

Abbildung 2: “Blutzucker und GI”

Blutzucker und GI

(die Blutzucker- und Insulinantworten auf eine Mahlzeit einmal mit hohem Glykämischen Index  und einmal mit niedrigem Glykämischen Index. Im Hintergrund sind die Blutzuckerbereiche aufgeführt, in denen der Mensch satt, hungrig oder heißhungrig ist;
Grafik erstellt auf der Grundlage von D. Pape et al.: “gesund – vital – schlank”, Köln 2001, S. 34)

Weiterführende Links:
* Wikipedia-Eintrag zum Glykämischen Index

Aktionswoche Sucht: Vortrag zu Essstörungen in Bielefeld

Am 05.11.2007 erzählte im Oberstufenkolleg nahe der Universität Bielefeld Diplom-Pädagogin Ruth Walter 90 Minuten über “Essstörungen – Lifestyle oder Hunger nach Sinn?” Der Vortrag fand im Rahmen der Aktionswoche “Sucht hat immer eine Geschichte” statt.

Flyerauszug Suchtwoche Bielefeld

Ich kam etwas zu spät und nach den Aussagen anderer Hörer betreute Frau Walter vor rund 9 Jahren Essgesteurte in Bielefeld und arbeitet derzeit mit Klienten mit unterschiedlichen Süchten. Im offenen Raum des Oberstufenkollegs lauschten zwischenzeitlich rund 120 Personen.

Die Diplom-Pädagogin wollte auf Erscheinungsformen, Ursachen, Behandlungs- und Präventionsmöglichkeiten bei Essstörungen eingehen. Auf die letzten beiden Punkte wurde aus Zeitgründen verzichtet.

Bei den Erscheinungsformen nannte die Referentin die Ess-Brech-Sucht, die Magersucht, die Binge-Eating-Störung, die Esssucht und die Variante der Magersucht, welche mit einem Sportwahn einhergeht. Neuerdings tritt eine Störung mit dem Zwang nach gesunder Ernährung auf. Bei der Abgrenzung zum normalen Essverhalten gibt es bei Störungen unter anderem einen Zwang und einen Kontrollverlust.

Bei den Ursachen gliederte Frau Walter in soziokulturelle, familiäre und psychische und erläuterte diese.

Eigene Eindrücke

Der Vortrag war in sich nicht geschlossen, Frau Walter verlor die Zeit aus den Augen oder ging davon aus, dass Sie noch mehr davon hatte.

Die Teilnehmer stellten oft Fragen und forderten Zahlenwerte – die Referentin konnte damit nicht dienen und gab auch keine Kontaktmöglichkeit an. Quellenverweise fehlten vollständig und so bleibt mir nur fest zu stellen, dass ich teils andere Dinge gelernt habe und ihre Auffassung gern geprüft hätte, um mein Wissen ggf. zu erweitern.

Des Weitern beschränkte sich der Medieneinsatz auf drei schlecht lesbare Folien.
Ich finde es sehr gut, dass dieses Thema angesprochen wurde und freue mich, dass derart viele Leute zuhörten. Für die meisten war diese Einführung wohl auch interessant und brachte viel Neues, aber mit ein paar Quellverweisen und einem Probelauf hätte man mehr daraus machen können.

Die Veranstaltung war kostenlos – Danke!

Weiterführendes:

* Flyer zur Aktion als PDF
* Hinweis: am 07.11.2007 um 15.30-16.30 Uhr findet in der VHS im Ravensberger Park der Vortrag “Magersucht – Erkennen und Benennen” statt.

Wettskandal im Tennis

Heute um 22.45 nahmen in der WDR-Sendung “sport inside” einige deutsche Tennisprofis Stellung zum vermeintlichen Wettskandal. Ein anonymer deutscher Tennisprofi mit Grand-Slam Erfahrung, stellte fest, dass er von einem anderen Tennisprofi angesprochen wurde, etwas Reibach zu machen.

tennisball

Kürzlich gab es Aufschreie nachdem der Weltranglistenvierte Nikolai Dawidenko mit einem Wettbetrug in Zusammenhang gebracht wurde. Ich verweise unten auf die beiden Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

In der Sportsendung “sport-inside” beziehen die aktuellen deutschen Spitzenspieler Stellung. Einige zeigen sich erschüttert über eine deutsche Beteiligung, alledings zweifelt keiner an, dass Sportwetten leicht ein Problem im Tennis werden können oder schon sind.

In der FAZ steht ein Zitat von Spitzenspieler Thomas Haas:

“Es sei allerdings schon manchmal so, „dass einen gewisse Ergebnisse erstaunen. Was da zum Beispiel bei den French Open 2005 für Summen auf Mariano Puerta gesetzt wurden, da habe ich manchmal gedacht, das kann doch gar nicht sein. Dann steht der Puerta plötzlich im Finale gegen Nadal und verliert zwei Wochen später glatt gegen Lars Burgsmüller. Da denkst du dir schon deinen Teil. Aber bewiesen hat man bisher noch keinem was, und damit das endlich mal passiert, müssen Namen auf den Tisch.“

Als Tennistrainer und ehemaliger stets erfolgloser Sportwetter habe ich hier einige Denkanstöße. Erstens sind Tennisspieler auch nur Menschen, Menschen die Geld verdienen müssen. Aus der Schar Tausender schaffen es einige zu den großen Turnieren und können sehr gut als Sportprofi leben. Leider müssen diese Leute aber schon viel früher professionell trainieren und das will bezahlt werden.

In Deutschland fangen Verbände einige Kosten ab, aber selbst danach bleiben noch viele Rechnungen unbezahlt und dazu das hohe Risiko, dass es nichts wird mit dem Profidasein. Wenn man sich dann auf kleineren Turnieren durchschlägt, bringen die Insiderinfos wertvolle Wettvorteile.

Was sind Insiderinfos und wo zieht man einen Strich? Vom öminösen Anruf mit den Worten “morgen verliere ich den zweiten Satz” bis zum Beobachten des Umknickens im letzten Training. Da kann man nirgends einen Schlussstrich ziehen.

Noch dazu gibt es emsige Wettprofis, die den ganzen Tag nichts anderes machen, als sich zu informieren und zu recherchieren. Untereinander tauschen diese sich aus und einer spezialisiert sich auf eine Liga und eine Sportart – so entstehen richtig gute Netzwerke. Irgendwann ist der Schritt nicht mehr weit vom PC aufzustehen und die Turniere live vor Ort zu sehen. Dann ist der Kontakt zu den Akteuren der nächste Schritt. Vielleicht auf der Anlage mal ein Treffen oder der Trainer des Spielers fädelt was ein. Auch hier gibt es keinen Schlussstrich zu ziehen.

Die Chancen sind generell besser, dass ein Match auf einem kleinen Turnier manipuliert wird, als eines, welches im Fernsehen übertragen wird. Beim Challengerturnier essen die Spieler unter Umständen mit dem Besucher am gleichen Tisch. Die Spieler sind auf das Geld angewiesen und vielleicht lässt der Spieler seine Profilaufbahn bereits ausklingen. Ob es nun eine Formschwankung ist, oder ob ein Spiel manipulert wurde – wer will es wissen?

Unabhängig davon, ob ein Spiel manipuliert ist oder nicht, wie soll man jemand erwischen. So wie ich es verstanden habe, stellen die Wettanbieter sehr schnell fest, wenn es Auffälligkeiten gegenüber eines normalen Wettverhalten gibt. Dann fällt das Spiel aus dem Angebot. Dieses Vorgehen führt dazu, dass Insider bei ganz heißen Tipps versuchen müssen diese nur im kleinen Kreis preis zu geben, da sonst das sicher geglaubte Geld in Gefahr ist. Die also auf diese Weise ermittelten, “verdächtigen Spiele”, sind wohl nur die Spitze des Eisbergs.

Auffälliges Wettverhalten klingt nach Statistik – das ist nichts Schlechtes und aussagekräftig. Man kann da sehr gut sagen, dass ein Spiel zu 95% manipuliert ist. Das Spiel kann man dann runter nehmen, aber einen Spieler deswegen lebenslang zu sperren, obwohl es sich doch um einen statistischen Fehler handeln könnte ist ein Riesenproblem. Des Weiteren muss ein ehrlicher Spieler davor geschützt werden, dass ihm da jemand ein Bein stellen will, obwohl er mit Wetten nichts am Hut hat.

Dann las ich in einer anderen Überschrift, dass das Damentennis wohl sauber sei. Das ist sehr unwahrscheinlich, da dort genauso gewettet werden kann und die Spielerinnen mit den genau gleichen Problemen kämpfen müssen.

Letztlich fallen mir da einige Parallelen zum Radsport auf: Verbände rasseln wieder und drohen mit lebenslangen Sperren. Genau das bringt auch im Tennis nichts, nur mit einer Zusammenarbeit vieler Insider kann man die Mechanismen der Kontrolle verbessern.

Neben diesen Parallelen stieß ich auf einen Bericht von Stefan Oswalt von der NZZ über Doping im Tennis – auch hier scheint es Ähnlichkeiten zum Radsport zu geben.

Weiterführende Links:

* FAZ: “Spiel, Satz, Wettbetrug
* FAZ: “Tennis-Wettskandal weitet sich aus
* Stellungnahme von Betfair zum Thema “Wettbetrug im Tennis
* NZZ: “Im Tennis hat Doping Tradition

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