Archiv von 'April, 2008'

Dehnen – soll man oder nicht?

Letztlich beim Laufen unterhielt ich mich mit meinem Partner über das Thema Dehnen. Ich versicherte, ich werde mich da mal umsehen. Aus dem Umsehen wurde ein Umhören, da es sehr viele unterschiedliche Meinungen gibt. Bald-Physio Thomas fiel bereits durch Sachverstand in den fitfuttern-Kommentaren auf. Er war so nett und schrieb ein paar Zeilen in seinem Blog zum Sinn und Unsinn des Dehnens.

Die Kernaussagen sind, dass Dehnen zur Verletzungsprophylaxe und Muskelkatervorbeugung wahrscheinlich ungeeignet ist. Verkürzungen haben nichts mit der Muskellänge zu tun, sondern mit der Toleranz gegenüber einer Dehnspannung des Muskels. Bei Verkürzungen ist diese Toleranz gemindert. Um dies zu verbessern, soll man dehnen und die geschwächte Muskulatur kräftigen. Bei den Dehnintervallen haben sich 30sec als empfehlenswert herausgestellt.

Seminarrückblick “Ernährung und Medikamente im Sport”

Am 19.04.2008 von 09-15.00 Uhr war in der Sportklinik Hellersen in Lüdenscheid das Seminar “Ernährung und Medikamente im Sport” im Rahmen der Präventionskampagne “Falscher Einwurf – Gegen Doping & Medikamente im Sport”. Die kostenlose Teilnahme an der Veranstaltung wurde durch die Sponsoren möglich gemacht. Es gab sechs Vorträge und eine kurze Abschlussdiskussion, die wegen der knappen Zeit zur Zusammenfassung mutierte.

kampagne anti-doping logo falscher einwurf

  1. “Der Weg zum Leistungssport – Betrachtungen aus sportmedizinischer Sicht” – Dr. Ernst Jakob
  2. “Der unbedachte Griff in die Hausapotheke – was Sportler wissen müssen” – Hanns-Henning Hopf
  3. “Ernährung als Baustein sportlicher Leistung” – Sandra Kocksch
  4. “Nahrungsergänzungsmittel – muss das wirklich sein?” – Hanns-Henning Hopf
  5. “Gibt es bei Jugendlichen ein Dopingproblem? Erfahrungen aus dem ‘Kölner Projekt’” – Michael Sauer
  6. “Ablauf und Schwierigkeiten einer Dopingkontrolle” – Doris Osterhoff

Im Folgenden liste ich aus meiner Sicht die Hauptaussagen der Vorträge auf.

Zu 1: “Der Weg zum Leistungssport – Betrachtungen aus sportmedizinischer Sicht” – Dr. Ernst Jakob

Die Genetik spielt eine sehr große Rolle, jeder kann und soll Sport treiben, aber ob jemand ganz oben landet ist zu einem großen Teil vorbestimmt. Aus diesem Grund müssen Tests her, die eine Auswahl ermöglichen, damit die Fördermittel vielversprechend eingesetzt werden können und so den guten Vorraussetzung noch ein excellentes Training kommt.

Vielversprechende Sportler landen dann in Kadern und Sportschulen. Die Kaderathleten müssen zustimmen, dass sie kontrolliert werden dürfen. Diese Kontrollen sind sehr teuer: Für 700 Kaderathleten kostet dies rund 5 Millionen Euro, wenn ich mich nicht verhört habe. Die Leistung ist natürlich entscheidend, schließlich sind Fördermittel begrenzt und es gibt viele, die das Maximum aus sich herausholen wollen oder müssen.

Ein Großteil der jungen Sportler nimmt Nahrungsergänzungsmittel, die aber nicht selbst zahlen, sondern meist die Eltern der Jungsportler. Dr. Jakob sieht hier ein gesellschaftliches Problem, die eigenen individuellen Grenzen nicht akzeptieren zu wollen. Dieses Problem ist auch in anderen Bereichen erkennbar, sei es im Beruf oder bei Kinder, die in der Schule unterstützende Substanzen nutzen – teilweise unterstützen das die Eltern sogar gern.

zu 2: “Der unbedachte Griff in die Hausapotheke – was Sportler wissen müssen” – Hanns-Henning Hopf.

Der Sportler ist verantwortlich, wenn er dopt. Der Kaderathlet muss meiner Meinung nach recht viel wissen, welche Mittel er nehmen darf und welche nicht. Im Alltag lauern viele Gefahren: bei Medikamenten gibt es nur für den Fachmann zu erkennende Unterschiede, die dann ein positives Testergebnis zur Folge haben. Es gibt zwar Listen, bei denen sich der Sportler informieren kann und bestimmte Medikamente darf sich der Sportler nach einem entsprechenden Antrag genehmigen lassen. Medikamente können im Ausland beispielsweise gleich heißen, aber andere Inhaltsstoffe aufweisen. Mediziner, die selten mit Sportlern zu tun haben, kann es passieren, dass Anträge falsch ausgefüllt oder an die falsche Stelle geschickt werden.

zu 3: “Ernährung als Baustein sportlicher Leistung” – Sandra Kocksch

Da gab es wenig Neues für mich, wenn ich auch einige Sachen nachlesen will – da gibt es schon das Ein oder Andere, was ich so nicht gesagt hätte. Aber zu 95% war ich immer gleicher Meinung, wenn ich auch denke, dass ein 40 Minuten-Vortrag nicht ausreicht, um ein Gesamtpaket “Sport und Ernährung” zu vermitteln.

Die Hauptthese war sicherlich, dass es keine “guten” und “schlechten” Lebensmittel gibt, sondern, dass das Gesamtsystem ausschlaggebend ist. Das Gesamtsystem muss man dann aber auch erst einmal verstehen, um daran feilen zu können.

Meine Gedanken zum System kann man in der Artikelserie Sporternährung hier auf fitfuttern ja kostenlos nachlesen oder sich als PDF herunterladen.

zu 4: “Nahrungsergänzungsmittel – muss das wirklich sein?” – Hanns-Henning Hopf

Ja, bei Ausnahmebelastungen wie der Tour de France! Nein bei Jugendsportlern und normalen Belastungen.

Substitutionen, also das Beseitigen eines Mangels, sind gut, wenn der Mangel vorher festgestellt wurde. Supplementierung, also die Zufuhr einer Substanz (weit) über den eigentlichen Bedarf hinaus, ist mit Vorsicht zu genießen. Einerseits ist eine Leistungssteigerung selten der Fall, und bei einigen Substanzen geht der Schuss auch nach hinten los und führt zu schlechteren Adaptionsergebnissen nach dem Training. Herr Hopf wies in diesem Zusammenhang auf eine Studie hin (Nieß Striegl, 2008, Link zum Artikel).

Oftmals wirkt eine Substanz mit einer anderen im Wechselspiel, führt man nun von der einen zuviel zu, stimmt das Verhältnis nicht mehr und die Leistungsbereitschaft wird schlechter.

zu 5: “Gibt es bei Jugendlichen ein Dopingproblem? Erfahrungen aus dem ‘Kölner Projekt’” – Michael Sauer

Anabolika ist bei Jugendlichen beliebt und die Aufklärung zu diesem Thema darf sich nicht auf die Wissensvermittlung beschränken. Die Lebensverhältnisse, also das Umfeld der Jugendlichen, müssen berücksichtigt werden, sowohl bei der Gestaltung der Aufklärungsveranstaltung als auch bei der Wahl des Ortes.

zu 6: “Ablauf und Schwierigkeiten einer Dopingkontrolle” – Doris Osterhoff

Kaderathleten sind in einem recht eng gefassten System, sie müssen ihre Trainingsorte angeben und mit Kontrollen rechnen. Technisch wird das mit dem System ADAMS gelöst und auch den vorher schon angesprochenen Medikamentenbeantragungen. Die Beschreibung des Ablaufs der Kontrollen war nun nicht so spannend, die Kontrolleurin ließ aber durchsickern, dass vielen Sportlern das nötige Wissen fehlt, was es mit der Doping-Problematik und den Tests auf sich hat.

Ich habe mir noch keine Gedanken gemacht, was es alles für Konsequenzen hat, wenn das Wasserlassen mal nicht klappt (Mannschaftsbus muss warten, Spielerkollegen murren, andere Termine platzen, … ).

Die Veranstaltung war sehr interessant, es gab viel Material zur Auslage und die Vortragsfolien konnten dann auf CD gekauft werden. Das Mittagessen war sehr gut. Zusammenfassend eine sehr runde Sache – Danke!

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